Kinder sind die schwächsten Mitglieder dieser Gesellschaft. Von ihnen werden zunehmend mehr in zum Teil problematische soziale, materielle wie familiäre Verhältnisse hineingeboren. Umso wichtiger sind Programme, Projekte und Initiativen, die diesem Umstand Rechnung tragen und sich für benachteiligte Mädchen und Jungen engagieren, um diesen bereits im Grundschulalter eine Förderung im sozialen, emotionalen und schulischen Bereich zuteil werden zu lassen. Denn spätestens seit PISA wissen wir, dass es um die Integration und Förderung benachteiligter SchülerInnen im deutschen Schulwesen nicht sehr gut bestellt ist.
Nicht nur das Erlernen der elementaren Kulturfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen sind im Grundschulalter von enormer Bedeutung, auch das Erlangen sozialer und emotionaler Kompetenzen sowie die Stärkung des kindlichen Selbstvertrauens und Selbstbewusstseins.
Für GrundschullehrerInnen ist es trotz ihres hohen Engagements nicht immer leicht, sich um die Bedürfnisse eines jeden einzelnen Kindes zu kümmern. Die Mädchen und Jungen kommen heutzutage aus den unterschiedlichsten Verhältnissen mit völlig anderen Voraussetzungen, Kenntnissen und Fähigkeiten in die Schule. Es gibt keine Klasse, in der nicht ein oder mehrere Kinder einer zusätzlichen Förderung bedürfen, um die Chance eines späteren Anschlusses an gemeinschaftliche Lernprozesse zu wahren. Da die Lehrkräfte durch vielfältige Aufgaben die Zeit für diese zusätzliche Förderung der betroffenen Kinder jedoch zumeist nicht haben, müssen andere Möglichkeiten zur Lösung dieser Problematik gefunden werden.
Genau an dieser Stelle setzt das Schulprojekt „Jetzt kann ich das auch …“ an. Es handelt sich hierbei um ein Pilotprojekt der Marburger Theodor-Heuss-Schule – eine Grund-, Haupt- und Realschule mit Förderstufe – in Kooperation mit der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf. Ermöglicht wird das Projekt durch die finanzielle Unterstützung des Europäischen Sozialfonds.
Das Projekt zielt darauf ab, mit Hilfe ehrenamtlicher Akteure benachteiligte GrundschülerInnen - definiert als Kinder, deren Elternhaus keine ausreichende Unterstützung beim Lernen bieten kann - ein Mal pro Woche für ein bis zwei Stunden durch Einzelbetreuung individuell zu fördern und – wenn möglich – die Wissens- und Erfahrungsdefizite dieser Mädchen und Jungen – kombiniert mit Spiel, Spaß und dem Herstellen emotionaler Nähe und Geborgenheit – auszugleichen.
Zur Zielgruppe des Modellprojektes „Jetzt kann ich das auch…“ gehören hauptsächlich SchülerInnen der ersten und zweiten Grundschulklasse, welche Defizite in der Schule erkennen lassen und die aus Migrations- oder sozial benachteiligten Familien stammen. Diesen Kindern soll begleitend zum Unterricht ehrenamtliche Unterstützung beim Erlernen der elementaren Kulturfertigkeiten sowie zur emotionalen Stärkung und Verbesserung der sozialen Kompetenzen zuteil werden.

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